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Musik lag in der Luft – Gelungene Aktion zur Inklusion: AFH und Kath. Familienbildungsstätte Neuwied e.V.

Hast du ein Handicap oder nicht? Egal. Wie ein Leben ohne Ausgrenzung aussehen kann, zeigten Kinder und Jugendliche wieder einmal auf eindrückliche Weise. Zwei Tage lang hatten sie bei kreativen Workshops rund ums Thema „Musik liegt in der Luft“ viel Spaß zusammen – im Rahmen einer gelungenen Aktion des Ambulanten Fachdienstes des Heilpädagogisch-Therapeutischen Zentrums (AFH) Neuwied und der Kath. Familienbildungsstätte Neuwied (FBS). Anlass der Initiative war der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

Danach befragt, welchen Wunsch sie zum Thema Inklusion hätte, muss Diplom-Sozialpädagogin Sandra Schunk nicht lange überlegen: „Diese Vorurteilsfreiheit, mit der die Kinder miteinander umgehen, diese Selbstverständlichkeit, das täte auch uns Erwachsenen gut.“ AFH-Kollegin Nadja Sarwar und Jenny Over, Praktikantin im Mehrgenerationenhaus Neuwied, können das nur bestätigen: „Es wird gar nicht gefragt: Warum sitzt du im Rollstuhl?“ Es ist einfach so. Es ist auch kein Thema, wenn ein Kind nicht still sitzen und sich nicht lange konzentrieren kann. Das gehört dazu. Niemanden stört das, erzählen sie. Und die Begeisterung, mit der die Koordinatoren und Betreuer dabei sind, ist spürbar.

Natürlich auch und vor allem bei den Hauptakteuren, den Kindern. Annika, zum Beispiel, ist gerade Dirigentin. Das Mädchen mit Downsyndrom darf bestimmen, ob die anderen Workshopteilnehmer leise oder laut, schnell oder langsam musizieren. Lachanfälle inklusive. In einem anderen Raum sind Instrumente zu sehen, die die Kinder selbst hergestellt haben – Rasseln aus Kronkorken, Panflöten aus Strohhalmen oder rauschende Ocean-Drums. Nebenan wird getanzt. Tanzlehrer der Tanzschule Impuls sorgen für ausgelassene Stimmung und viel Bewegung. Nicht nur Frieda (9 J.) ist hin und weg: „Das ist richtig schön.“

Gemeinsam mit Felix (7 J.) war sie bereits in der Kinderküche aktiv. Schließlich soll es bei der Präsentation am nächsten Tag leckere Snacks geben. Hat alles gut geklappt? „Klar“, erzählen die beiden. Fabian (14 J.) kann nicht gut sprechen, versteht aber alles. Von ihm kommt ein Daumen hoch-Zeichen. Damit Kinder, die sich nicht so gut bewegen können oder beim Sehen beeinträchtigt sind, auch gut zurechtkommen, kamen z.B. Küchenmaschinen mit extra großen Knöpfen oder Messbecher mit fühlbaren Klett-Markierungen zum Einsatz.

Und damit jeder Teilnehmer der Aktion hautnah erfährt, was es eigentlich bedeutet, ein Handicap zu haben, gibt es noch den Workshop „Selbsterfahrung mit allen Sinnen“. Hier können die Kinder eine Brille aufsetzen, die eine Sehbehinderung simuliert. Gewichte am Arm lassen eine Halbseitenlähmung erlebbar werden, ein Rollstuhlparcours für jeden zeigt, wie es ist, nicht laufen zu können. All dies vermittelt mit viel Spaß und Gemeinschaftssinn.

„Du siehst ja komisch aus, du hast gar keine Nase mehr“, stellt Philipp erstaunt fest, als er eine solche Handicap-Brille aufsetzt. So ist es viel schwieriger, die schönen T-Shirts anzugucken, die kunstvoll mit aufgesprühten bunten Notenschlüsseln verziert wurden.

Kurz: Ob Aerobic, Zumba oder Deko-Aktion  – die Initiative „MissionInklusion – Die Zukunft beginnt mit dir“ von AFH und FBS kam bestens an. Kinder, die an beiden Tagen teilnehmen wollten, wurde auch eine Übernachtung angeboten.

Am Ende winkte ein großes Abschlussfest. Eltern, Familienangehörige und Freunde kamen, um zu sehen, was die Kinder an beiden Tagen erlebt, hergestellt und einstudiert hatten. Beeindruckt zeigte sich hier auch Gabriela Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Allgemeines Fazit: Aktionen dieser Art sollte es noch viel öfter geben. 

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